Sehnsucht nach Heimweh
2. Kammerkonzert
Werke von Bach, Schubert und Boccherini
Vor manchen Kompositionen steht man staunend und lauscht einem Zauber, der sich nie erschöpft. Vom vollkommenen Spätwerk eines gerade erst 31-Jährigen, über mitkomponierte Todesahnungen bis hin zum Schmerz über den Tod Beethovens – mit derartigen Assoziationen wird Schuberts C-Dur-Quintett immer wieder in Verbindung gebracht. Und wenn all das auch in die Komposition eingeflossen sein mag, so löst es doch das Rätsel einer Musik nicht, die einem wie nicht viele nahe geht und doch auf seltsame Weise kaum greifbar bleibt – jenes eigentümliche Heimweh nach Traurigkeit, aber auch eine unbändige Lebensfreude in den Tanzrhythmen und ein ›Singen‹ in höchster Seligkeit mit dem Wissen: »Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück«.
Wie ein Monolith steht Schuberts Quintett da und nimmt damit einen so ganz anderen Platz ein als die Werke jenes Komponisten, der nicht zu Unrecht als ›Vater des Streichquintetts‹ gilt: Luigi Boccherini widmete sich insgesamt 104 Mal dieser Besetzung und fand jedes Mal zu eigenen Lösungen und unverwechselbaren Ausdruckscharakteren, hinter denen stets seine tiefe Überzeugung steht, ›dass die Musik zum Herzen der Menschen sprechen solle‹.