Entdeckungen zu zweit und zu dritt
4. Kammerkonzert
Wann ist ein Wunderkind ein Wunderkind? Wenn es über ein fotografisches Gedächtnis verfügt? Wenn es seine erste Klavierschule nach nur einem Monat abgeschlossen hat? Wenn es mit zehn Jahren alle 32 Beethoven-Klaviersonaten auswendig kann? Wenn dem so ist, war Camille Saint-Saëns ein echtes Wunderkind. Seine Pianistenkarriere erlebte viel später, mit ihrem 75. Bühnenjubiläum, ihren letzten großen Höhepunkt. Das war 1921, neun Jahre nach der Geburt von John Cage. Begonnen hatte sie 1846, drei Jahre vor Chopins Tod. Sein Klavierspiel zeichnete sich durch eine gewisse Eleganz aus, durch ein luftiges, schnörkelloses Spiel. Das prägte auch seine Kompositionen, vor allem die Werke mit Klavierbeteiligung.
Johannes Brahms und die Oboe? Als Solo-Instrument hat er sie nicht vorgesehen; zwar schrieb er ein Quintett mit Klarinetten- und ein Trio mit Horn-Beteiligung, aber nichts dergleichen für Oboe. Also, dachte sich Ulrich König, muss eine Bearbeitung her. König, bereits seit 1988 Mitglied der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, hat mit verschiedenen Arrangements bereits reichlich Erfahrung gesammelt, u.a. für sein Ensemble ›Das ABBArtige Quartett‹. Nun also Brahms!